Empathie durch Perspektivenwechsel - Karlschüler erleben Rollstuhlbasketball mit Juniorennationaltrainer

Sich einmal in der Klasse auf Augenhöhe begegnen und die Barrieren, die durch eine Behinderung entstehen am eigenen Leib erleben: Drei Klassen der Rastatter Bildungseinrichtung, darunter zwei achte und eine zehnte Klasse, machten am vergangenen Montag eine besondere Erfahrung.

Unter der Leitung von Marco Hopp, selbst Europapokalsieger, Championscupteilnehmer, Deutscher Meister und DRS-Pokalsieger, wobei letzter Erfolg nach eigener Aussage mit einem Sieg beim DFB-Pokal vergleichbar ist, durften rund sechzig Schüler erfahren, was es bedeutet, sich ausschließlich im Rollstuhl fortzubewegen. Das Programm „Behindertensport macht Schule“ ist eine Initiative des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes e.V. mit Unterstützung des Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. ,,Unser Ziel ist es, die Schüler für Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren.“, so der Juniorennationaltrainer aus Heidelberg in einem Interview. Dennoch geht es ihm um mehr: „Wenn wir es geschafft haben, euch durch diesen Tag dazu zu bringen, auf Hilfsbedürftige im Alltag, wie etwa eine alte oder schwangere Frau aufmerksam zu machen, denen ihr eure Hilfe zugesteht, haben wir unser Ziel erreicht.“ Des Weiteren werden die Jugendlichen an den Umgang mit Menschen mit Handicap herangeführt und schulen ihre Empathiefähigkeit durch Selbsterfahrung und Eigenaktivität, indem sie einen Perspektivenwechsel vornehmen. In der Sporthalle gegenüber der Karlschule fand die Veranstaltung statt, bei welcher jeweils zwei Schulstunden für eine Klasse intensiv genutzt wurden. Zu Beginn erhielten die Schüler anhand eines Kurzfilms erste Eindrücke von den Paralympischen Spielen in Peking aus dem Jahre 2008, um die Vielfalt zu erkennen, die den Behindertensport ausmacht. Danach bekamen die Jugendlichen eine Einweisung in die technischen Voraussetzungen, wie etwa Aufbau und Unterschiede zwischen Roll- und Sportrollstuhl. Endlich begann der praktische Teil: Erste zaghafte Versuche im Rückwärts- und Vorwärtsfahren erforderten volle Koordinationsfähigkeit der Neulinge. Im Anschluss sorgten Fangspiele für eine größere Herausforderung, wobei erstes Taktieren geübt wurde. Auch das Prellen oder Aufnehmen eines Balls mithilfe des Rollstuhls eröffnete den Schülern eine völlig neue Sichtweise. Ein gemeinsames Basketballspiel am Schluss unter der Leitung von Schiedsrichter Marco Hopp zeigte deutlich den Spaß, der nicht zuletzt durch die Lautstärke in der Sporthalle offengelegt werden konnte. Auch Klassenlehrer Patrick Wendelgaß war voller Elan und Tatenkraft auf dem Spielfeld mit dabei. Der sechsundzwanzigjährige Lehramtsstudent Marius Merkel aus Sandweier ist Projektmitarbeiter beim Badischen Behinderten- und Rehabilitationsverband, unterstützt Marco Hopp beim Transport und führt die Einweisung der Schüler zu Beginn durch. Das Projekt wird in ganz Baden angeboten und bedient die ganze Region von Mannheim bis zum Bodensee, wobei alle Schularten und Klassenstufen, von den Bambini bis zu den Abiturienten, eingebunden werden. In den kommenden Wochen kann sich eine Schule in Philippsburg auf den Besuch des engagierten Duos freuen. Die Achtklässlerin Nikola reflektiert nach dem Erlebnis: „Es hat Spaß gemacht, mal etwas auszuprobieren, das man noch nie zuvor gemacht hat. Ganz schön anstrengend war das auch für Arme und Beine. Deutlich wurde mir jetzt der Unterschied zwischen dem einfachen Ausprobieren eines Sports im Rollstuhl und dem krassen Gegensatz dazu, auch den Alltag darin meistern zu müssen.“ Sportlehrerin Brigitte Fallert bereitete die Mädchen der drei Klassen zuvor intensiv auf den Tag vor und schaffte einen einladenden Rahmen mit leiblicher Verköstigung für die Gäste. Das Ergebnis des Tages scheint eindeutig und nachhaltig: „Können wir noch eine Stunde dranhängen?“, rief ein Schüler in die Runde, nachdem Hopp nach dem praktischen Teil ein Fazit zog und sich von den Schülern verabschiedete.

(Text: M. Lehn, Foto: S. Spohn)

 

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Wir sind eine Grund- mit Werkrealschule und Ganztagsbetrieb. Seit Februar 2017 ist es sicher: Die Karlschule hat die Genehmigung bekommen und darf ab dem Schuljahr 2017/2018 offiziell mit der neuen Schulform "Gemeinschaftsschule" starten!